Trigeminusneuralgie


Was ist Trigeminusneuralgie?
Die Trigeminusneuralgie ist gekennzeichnet durch kurze heftigste Schmerzattacken in einen oder mehreren Ästen des fünften Hirnnerven (Nervus Trigeminus, vgl. Abbildung), mit Ausstrahlung in den Gesichtsbereich. Die Schmerzen werden typischerweise durch nichtschmerzhafte Reize, wie Bewegungen des Munds beim Sprechen, Kauen oder Schlucken, durch leichte Berührung der Haut, z.B. beim Rasieren oder bereits durch einen Luftzug, und der Zähne- und Schleimhäute, z.B. beim Zähneputzen ausgelöst. Diese sogenannten Triggermechanismen lösen Schmerzattacken von Sekunden bis ein oder zwei Minuten aus. Der Schmerz tritt periodisch auf, d.h. es gibt Wochen und Monate ohne Beschwerden, bevor wieder eine Phase mit häufigen Attacken auftritt. Typischerweise tritt die Erkrankung in höherem Lebensalter (ab 50 Jahren) und meist nur einseitig auf. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer (5 bzw. 3/100.000/Jahr). Als Ursache der Schmerzen nimmt man nach heutigem Wissenstand eine Kompression eines Blutgefäßes im Bereich des Austritts des Nervus trigeminus am Hirnstamm an. In seltenen Fällen kann die Trigeminusneuralgie auch Folge von Tumoren, Gefäßmissbildungen oder einer Multiplen Sklerose sein. Gerade im letzten Fall sind häufig jüngere Menschen, manchmal auch beidseitig betroffen.

Welche Gesichtsschmerzen muss man von der Trigeminusneuralgie unterscheiden?
1) Schmerzen, die durch Schädigung des Trigeminusnerven auftreten, z.B. nach nach Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen (z.B. Mittelgesichtsfrakturen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen. 
Hier spricht man von einer sogenannten Trigeminusneuropathie mit anderen Behandlungsmöglichkeiten als bei der typischen Trigeminusneuralgie. 

2) Schmerzen, die diffus den Kopf- und Gesichtsbereich betreffen, nennt man atypischen Gesichtsschmerz. Hier kommt keine (neuro)chirurgische Therapie in Frage.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Trigeminusneuralgie?
Man unterscheidet grundsätzlich 2 verschiedene Behandlungsverfahren.

1. Perkutane Verfahren
Bei diesen Verfahren wird ein Nervenknoten an der Schädelbasis (das sog. Ganglion Gasseri) mit einer Kanüle, die neben dem Mundwinkel eingestochen wird, aufgesucht (vgl. Abbildung). Anschließend versucht man mit einer gezielten Hitzeläsion (Thermokoagulation) oder Alkoholinjektion (Glyzerolinstillation) gezielt einen oder mehrere Äste des Trigeminusnerven kontrolliert zu schädigen, um die Schmerzentstehung und –weiterleitung zu unterbinden. Bei diesen Verfahren handelt es sich um neurochirurgische Routineeingriffe, die weltweit bei mehreren Tausend Patienten mit anhaltend gutem Erfolg eingesetzt wurden. Weitere Verfahren sind die Ballonkompression des Ganglion Gasseri oder die ganglionäre lokale Opioidapplikation (GLOA). 

2. Mikrovaskuläre Dekompression des Trigeminusnerven 
Bereits vor 70 Jahren bemerkte ein amerikanischer Neurochirurg bei Operationen im Bereich der hinteren Schädelgrube Abnorme Gefäßverläufe Bereich des Trigeminusnerven. Anfang der 60er Jahre wurde dann das Konzept der Kompression des Nerven durch ein, in der Regel, arterielles Gefäß im Bereich des Austritts des Nerven aus dem Hirnstamm weiter verfeinert und die Methode der mikrovaskulären Dekompression entwickelt. Dieser Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Über einen Schnitt hinter dem Ohr wird ein 5-Mark Stück großes Knochenfragment herausgesägt und anschließend unter dem Operationsmikroskop der Trigeminusnerv aufgesucht. Zeigt sich eine Arterie, die den Nerv einengt oder bedrängt, so wird diese vorsichtig losgelöst und ein kleines Stückchen Kunststoff als Puffer zwischen Gefäß und Nerv eingefügt (vgl. Abbildungen). Diese Operation wird nach einem der Pioniere auch Jannetta-Operation genannt. Die Ergebnisse nach der Operation sind außerordentlich gut ca. ¾ aller Patienten sind nach der Operation anhaltend, d.h. über 10 bis 20 Jahre schmerzfrei.

Was muss ich tun, wenn ich an einer Trigeminusneuralgie leide?
Suchen Sie einen Neurologen oder Neurochirurgen auf, da diese sich mit dem Krankheitsbild sehr gut auskennen. Zunächst wird man eine medikamentöse Therapie einleiten. In vielen Fällen ist diese Behandlung ausreichend. Sollten jedoch, bei höherer Dosierung weiterhin Schmerzen bestehen oder die Medikamente Nebenwirkungen verursachen, sollten Sie einem Neurochirurgen vorgestellt werden, der mit Ihnen über die verschiedenen operativen Möglichkeiten, ihre Aussichten und Nebenwirkungen spricht. Routinemäßig wird dort auch eine Kernspintomographie veranlasst, mit der man zum einen versucht, das komprimierende Gefäß darzustellen, zum anderen aber seltene Ursachen eines Tumors oder einer entzündlichen Erkrankung ausschließen möchte. Sie werden auch dahingehend untersucht ob wirklich eine echte Trigeminusneuralgie vorliegt oder eine andere Erkrankung z.B. aus dem Bereich der Kieferchirurgie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder Augenheilkunde, die ähnliche Symptome hervorrufen können.

Schematische Darstellung der mikrovaskulären Dekompression (Jannetta-Operation)

Schematische Darstellung der mikrovaskulären Dekompression (Jannetta-Operation)

Vorgehensweise bei Operationen durch die Backe

Die drei Äste des Trigeminusnerven.

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. V. Tronnier,
Klinik für Neurochirurgie, Campus Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
E-Mail: volker.tronnier@uk-sh.de